Richelsdorf

Ortsteil der Gemeinde Wildeck

Geschichtliches

Inhalt

Die Kirchen in Richelsdorf

Richelsdorf besitzt in seiner Patronatskirche eine der schönsten Dorfkirchen Osthessens. Sie gehört zu dem Typ der protestantischen Landkirchen der Barockzeit, die nach dem Vorbild der Rotenburger und Schmalkaldener Schloßkapellen zwischen 1700 - 1740 in vielen Orten im hessisch-thüringischen Grenzraum ausgebaut und ausgemalt wurden. Dazu zählen im Kreis Hersfeld-Rotenburg die Kirchen in Nentershausen, Weiterode, Ronshausen, Ausbach, Mansbach und Odensachsen, im thüringischen Nachbarkreis Eisenach die Kirchen in Marksuhl, Horschlitt, Unterellen, Lauchröden, Ifta, Scherba, Schweina und Möhra, um nur einige zu nennen.

Bei all diesen bemalten Bauernkirchen" handelt es sich um mittelalterliche, vorreformatorische Gebäude, die im 30jährigen Krieg zerstört wurden oder in Verfall
gerieten und erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wieder aufgebaut und im Inneren im zeitgemäßen Holzbarock umgebaut wurden. Ob auch die Richelsdorfer Kirche mit dem Dorf im 30jährigen Krieg 1635 zerstört wurde, wie bisher überliefert wurde, ist derzeit strittig. Denn in einer Eintragung im Pfarr-Inventar von 1643 in der Superint. Repos wird berichtet: ,,Als im Jahr 1635 der ganze Ort Richelsdorf bis auf die Kirche von den Kroaten verbrannt wurde, zerschlugen diese die drei Glocken und nahmen sie mit."

Die Entstehungszeit der Richelsdorfer Kirche, die sich auf einer kleinen Anhöhe in der Dorfmitte neben dem von Cornbergschen Schloß erhebt, läßt sich nicht genau datieren. Sowohl der frühgotische Chorturm wie auch das im Kern gotische Kirchenschiff stammen aus dem frühen Mittelalter. Bei dem späteren (1700 - 1716) Umbau blieben allerdings nur ein frühgotisches Spitzbogenfenster an der Ostseite des Chorturmes - durch das Epitaph verdeckt - erhalten, während die übrigen Fenster und Portale verändert und vergrößert wurden, um den durch die neu eingebauten Emporen verdunkelten Kirchenraum heller zu machen. Damals wurde das im Kern frühgotische Mauerwerk eingreifend verändert: der Chor verlor sein Kreuzgewölbe und erhielt eine flache Decke, der Triumphbogen zwischen Chor und Schiff wurde vergrößert, das Kirchenschiff erhielt auf drei Seiten umlaufende doppelte Emporen und auf der 4. Seite über dem Triumphbogen einen Gang, der die Oberemporen miteinander verbindet und den Zugang zum Turm ermöglicht. Der ganze Mittelraum des Kirchenschiffes aber wurde von einer Holztonne überwölbt, die von den nach oben durchgeführten Holzstützen der Emporen getragen wird.

Dieser Bauvorgang war, wie die Jahreszahl über dem Triumphbogen im Inneren und an der Südwand außen bezogen, 1705 abgeschlossen; im nächsten Jahr folgten die Sehreinerarbeiten, denn das Datum 1706 ist in die Kanzel geschnitzt, und zehn Jahre später ist die Ausmalung beendet. Das Datum ist an hervorragender Stelle zu lesen und zwar an der Schildwand über dem Epitaph steht Anno 1716.

Jeder Besucher, der die Richelsdorfer Kirche durch das Westportal betritt, ist von der künstlerischen Geschlossenheit und barocken Farbigkeit beeindruckt. Der Einblick geht über das farbenbunte Gestühl der Frauen mit den Namen der früheren Platzinhaber, über die Kanzel mit ihrem säulengeschmückten Korb und der hübschen Schnirkelkrone auf dem Schalldeckel und dem gegenüberliegendem Cornbergsehen Herrschaftsstand mit dem Wappen der beiden Brüder Johann Wilhelm und Otto Christoph von Cornberg und ihrer Frauen Anna Magdalena von Harstall und Eleonore Sodonie von Hagen sowie der schon erwähnten Gedenktafel für den letzten Kirchenpatron Carl von Cornberg und 1935 zum Grabstein des ersten Patronatsherren Philipp Wilhelm von Cornberg an der Schildwand des Chores. Dieses Epitaph bildet mit seinem Wappenschmuck, seinen farbigen Ornamenten, seiner reichen Sandsteinarchitektur und seiner farbigen Fassung den beherrschenden Blickpunkt der Kirche. Die lateinische Inschrift berichtet, daß Philipp Wilhelm von Cornberg, der erste dieses Namens, hier begraben liegt und daß er Schatzmeister und Vertrauensmann seines landgräflichen Halbbruders, des Landgrafen Moritz von Hessen war. Das Epitaph trägt in der Mitte oben das Cornberger Wappen, ein geteilter Schild, im oberen Feld ein schreitender roter Löwe, im unteren Feld ein blau-weiß-rotes Schachbrett und links und rechts die Wappen der beiden Ehefrauen, mit denen Philipp Wilhelm 20 Kinder hatte. Beigesetzt wurde er in der Cornberger Gruft im Chor, deren Eingang sieh am Fuße des Altars befand. Das Erbbegräbnis wurde 1805 geschlossen, die Grabsteinplatten 1928 bei der Renovierung der Kirche entfernt. Damals wurde auch die separate Eingangstür vom Schloßgarten zum Herrschaftsstand zugemauert. In die äußere Türnische stellte man einen fast 2 m hohen Grabstein, der unter den Steinfliesen des Fußbodens vor dem Grufteingang in der Kirche gefunden wurde. Die gut lesbare Inschrift lautet: ,Weiland hochwohlgeborenen Frawen Frau Anna Magdalena geboren zu Berteroda 30.Sept. 1653 aus dem mit mehr als 16 Ahnen prangenden Geschlechte derer von Harstall, glücklich und wohl vermählt ist sie worden den 10. Nov. 1672 an den weiland hochwohlgeborenen Herrn Johann Wilhelm von Cornberg hiesiggewesenen Erb- und Gerichtsherrn und Kurmaintzischen Obristen, mit welchem sie durch Gottes Segen erzielt hat 3 Söhne und ein Fräulein, wie sie nun jedesmal gegen Gott und ihren Gemahl und Nebenchristen wohlgelebt, so ist sie auch sanft und seelig gestorben und zwar den 4. Nov. 1722 ihres beglückten Alters 66 Jahre 2 Monate und 4 Tage."

Diese Anna Magdalena von Cornberg war es auch, auf deren Initiative hin die oben beschriebene Renovierung der Kirche durchgeführt wurde, wozu sie 100 Taler stiftete. Dabei wurde besonderer Wert auf die künstlerisch reizvolle Ausmalung des Kirchenraumes gelegt, die sich durch ihre Einheitlichkeit und Farbenfreudigkeit auszeichnet. Das wichtigste Schmuckmotiv ist ein reiches Rankenwerk mit Blättern und Blüten, das die Fenster umrahmt, die Füllungen der Emporen im Wechsel mit Bibeltexten und die Wangen des Gestühls bedeckt, den Triumphbogen und als schmückender Rahmen das Epitaph an der Schildwand im Chor umzieht. Bibelsprüche in reich verzierten Frakturbuchstaben und Blumenbuketts zieren die Felder der Emporenbalustraden und die Wände zwischen den Fenstern. Die bräunlich-roten Emporensäulen und ihre Kopfstücke sind mit einem weiß-grauen Netzwerk in Form vierblättriger Kleeblätter überzogen. Auch die Kanzel, der Herrschaftsstand und der Pfarrstuhl wurden in die vereinheitlichende Bemalung einbezogen. Und darüber spannt sich das Holz-Tonnengewölbe, das auf grauem Grundton eine Bemalung von Wolken und Sternen trägt zu dem im Osten und Westen Sonne und Mond treten, umgeben von Glorien als kreisförmig gemalten Sprüchen. Die Namen der am Bau und an der Ausmalung beteiligten Handwerker, in denen ein starkes künstlerisches Vermögen steckte, sind nicht bekannt.

Architektur, Ausstattung und Ausmalung verschmelzen in der Richelsdorfer Kirche zu einem Gesamtkunstwerk, das diese Kirche zu dem schönsten Beispiel barocker Baukunst in Hessen macht. Leider wurde diese wundervolle Einheitlichkeit durch Witterungseinflüsse, aber auch durch menschliche Eingriffe gestört, als
im 19. Jahrhundert bei Ausbesserungsarbeiten die Ausmalung teilweise durch Übertünchen mit weißer Kalkfarbe überdeckt wurde. Glücklicherweise konnten diese Schäden bei der 1928 auf Veranlassung des damaligen hessischen Konservators Friedrich Bleibaum durch den Restaurator und Kunstmaler Kienzle aus Darmstadt durchgeführten gründlichen Auffrischung und Restaurierung beseitigt und ausgeglichen werden. Es gelang Kienzle mit feinem Verständnis für die reizvolle barocke Malerei das Bild von 1716 wiederherzustellen und das neue Farbgewand stilvoll dem alten Rahmen einzufügen. Leider konnte er den Verlust nicht wieder gutmachen, der durch die Vernichtung der alten Barockorgel um 1890 entstanden war. ,,Es kann nicht genug getadelt werden, berichtete am 10.8.1901 der hochverdiente erste Bezirks-Konservator Ludwig Blickell an das Königliche Consistorium in Kassel", daß man noch in den 90er Jahren die bis dahin der alten Ausstattung angehörigen Orgel auf der obersten Westempore beseitigt und durch ein neuen mit angeblich gotischem braunlackiertem Gehäuse ersetzt hat." Von dieser barocken Orgel blieben nur zwei holzgeschnitzte Musikantenfiguren in der Tracht der Richelsdorfer Bergleute übrig, die früher auf der alten Orgel standen und jetzt über der Turmuhr an der Triumphbogenwand aufgestellt sind.

In den 60iger Jahren und 1976 wurde die Kirche erneut restauriert und stellt sich im Jubiläumsjahr im frischen, lebendigen Farbengewand vor.

Auch die Glocken, die in dem mit einer neuzeitlichen Haube bekrönten Chorturm sonntäglich die Richelsdorfer zum Gottesdienst rufen, haben ihre Geschichte. Mit dem Verlust der drei Glocken im 3ojährigen Kriege 1635 verstummte das Geläut über 100 Jahre. Erst 1743 stiftete die Cornbergsche Familie eine kleine Bronzeglocke mit der Inschrift: ,,Fräulein A. 5. M. von Cornberg schenkt an die Gemeinde Richelsdorf. Im Juli 1743". Sie hängt heute noch. 1820 kam eine zweite und 1870 eine dritte Glocke hinzu. Letztere mußte im 1. Weltkrieg 1914 - 1918 abgeliefert werden, die mittlere Glocke aus 1820 wurde im 2. Weltkrieg 1942 eingeschmolzen. Zehn Jahre versah die kleine Bronzeglocke ihren Dienst allein, bis 1951 durch Spenden der Gemeinde und der örtlichen Betriebe in Höhe von 6000,- Mark zwei neue 20 und 30 Zentner schwere Gußstahlglocken von der Glockengießerei Woyle in Bockenem/Harz angeschafft und am 11.11.1951 geweiht wurden. Ihr auf ,,e" und ,,g" gestimmtes Geläut vervollständigt mit dem ,,c" der kleinen Bronzeglocke den Dreiklang der Richelsdorfer Kirchenglocken.


Die katholische Holzkirche in Richelsdorf

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges kamen viele überwiegend katholische Flüchtlinge auch nach Richelsdorf.
Bis zum Jahre 1956 diente das alte Forsthaus (Villa) den Gläubigen als Gotteshaus. Im Jahre 1957 wurde dann die jetzige katholische Kirche in verhältnismäßig kurzer Zeit erbaut.

Die Finanzierung wurde durch Spenden und Eigenleisturigen der Gläubigen sichergestellt.

Auch die amerikanische Armee hat sich bei dem Bau der Kirche verdient gemacht.

So konnte die Kirche bereits am 1. Mai 1957 durch den Weihbischof Dr. Adolf Bolte, Fulda eingeweiht werden.

Der Schutzpatron der Kirche ist der hl. St. Josef

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